PFARRBRIEF – Katholische Kirchengemeinde Freiburg Ost – ein Beitrag vo Simone Richter
„Ich beobachte nur die Welt“
Sie haben klangvolle Namen wie Weltenlenker, Coronus, Angelus oder Anima Mundi, und eigentlich kennt jeder mindestens eine: Die Skulpturen aus Holz von Thomas Rees sind in Südbaden ein Begriff. Allein auf dem Gebiet der Pfarrei Freiburg stehen mehrere davon zwischen Waltershofen, Lehen, dem kleinen Opfinger See, der Wiehre, dem Waldhaus und Kappel. In Kappel ist auch der „Baum der Erkenntnis“ zu finden: Mit seinen vielen Motiven aus dem Alten und Neuen Testament ist er schon fast eine Bibel aus Holz.
Thomas Rees, 66 Jahre alt, ist in Freiburg-Kappel aufgewachsen. „Und wie das damals so war, wurde ich gedrängt, zweimal die Woche in die Kirche gehen“, erinnert er sich. Bis heute ist er – durchaus freiwillig – in der Kappler Gemeinde St. Peter und Paul aktiv.
„Alte Geschichten faszinieren mich“, sagt er. In ihnen kann er ganz abtauchen. Und so kommen christliche Anspielungen immer wieder in seinen Skulpturen vor, doch ebenso auch Anlehnungen an die griechische Mythologie, an geschichtliche Ereignisse oder die Weltstimmung. Die Skulptur „Erderwärmung mit dem „Biosphärenteufel“ in Kappel, ganz in der Nähe des „Baumes der Erkenntnis,“ zeigt beispielsweise einen Teufel, der sich über eine aufgespießte Erdkugel beugt. Darunter brennt ein Feuer, das er über einen Blasebalg anfacht – die Klimakrise ist hier das Thema, doch warum ein Teufel? Er ist seinem altgriechischen Wortursprung nach der „Faktenverdreher“ und Verwirrer. Hier geht es also im Zusammenhang mit dem Klimawandel auch um Fake News und um das Ignorieren von wissenschaftlichen Erkenntnissen.
„Ich beobachte einfach nur die Welt“, sagt Thomas Rees ganz nüchtern. Diese Haltung prägt seine Arbeit. Manchmal führt das zu Irritationen, weil seine Figuren Fragen stellen, bevor sie Antworten geben. Eine Provokation sucht er nicht. „In Ruhe arbeiten, das möchte ich.“ Vielfach entsteht seine Kunst im Zusammenspiel aus Holz seinem Werkzeug, der freien Natur und den eigenen Gedanken, die sich dann ungehindert ihren Weg bahnen dürfen. An den fertigen und aufgestellten Skulpturen sind jeweils Texte angebracht, auf denen man diese Gedanken dann nachlesen kann. Und wie viele Skulpturen von ihm sind überhaupt im südbadischen Raum zu finden? „Keine Ahnung“, sagt Thomas Rees. „Viele, viele sind aber mittlerweile auch schon zerfallen.“ Aber auch das ist für ihn okay. Es ist einfach nur eine weitere Beobachtung der Welt.
Ausgewählte Projekte von Thomas Rees; eine größere Übersicht mit Texten unter www.thomas-rees.com/projekte
Kappel
2024 Angelus
2021 Chronos/ die Zeit Friedhof
2020 BIOS- Wunder des Lebens
2020 Anima Mundi
2020 Coronus
2019 Homo faber – der schaffende Mensch
2019 Erderwärmung und der Biosphärenteufel
2002 Licht und Leben, Pfarrgarten
Weitere Orte:
2016 Weltenlenker, Festplatz Hochdorf
2013 Bundschuh-Eiche, Lehen
2010 Anna-Kapelle, Ebnet
Weitere Projekte auf dem Pfeiferberg bei Kirchzarten
Der „Baum der Erkenntnis“
Mit seiner ursprünglich als „Weihnachtsbaum“ geschaffenen Skulptur stellt Thomas Rees den Zusammenhang der Weihnachtsgeschichte mit der gesamten sogenannten biblischen Heilsgeschichte vor Augen – also der Geschichte Gottes mit den Menschen und der Menschen mit Gott in allen ihren Facetten. Nicht die „heile Welt hat die Menschen zu allen Zeiten nach dem „Warum“ fragen lassen, sondern dass sie das Unheile und Unfriedvolle nicht ausblendeten. Für Thomas Rees hat die Auseinandersetzung mit dem Widersprüchlichen, den widerstrebenden Kräften eine große Bedeutung, und das prägt auch diese Skulptur:
- Der Geburt Jesu steht der Kindermord zu Bethlehem (Schädel des König Herodes mit Krone) gegenüber.
- Dem offenem Grab (Ostern) als Inbegriff christlicher Hoffnung und Grund christlicher Existenz wird das Kreuz (Karfreitag) gegenübergestellt, und dem sind die beiden Figuren unterhalb der Kreuzes- und Grabesdarstellung zugeordnet: Die eine Figur fassungslos-aufschreiend, die andere trauernd und gleichsam in sich versunken.
- Den Hirten, die beim nahen Bethlehem lagerten gegenüber stehen die Weisen aus dem fernen Morgenland.
- Buchstäblich „den Gipfel“ – zuoberst – bildet das Gegenüber des Cherubim mit dem flammenden Schwert und des sog. „Himmlischen Jerusalems“. Der Cherubim ist in der biblischen Überlieferung der Wächter zum Garten Eden aus dem Adam und Eva verbannt worden sind. Das Himmlische Jerusalem steht für die Verheißung der Wiederkunft Gottes.
Der Baum der Erkenntnis bietet eine Fülle von Geschichten und Bildern, Gefühlen und Gedanken, Erfahrungen und Hoffnungen, die zur Auseinandersetzung mit den eigenen Lebensfragen einladen.
Jürgen Hensing, Pastoralreferent
