Waldtor

das „Waldtor“   –    in Freiburg-Waltershofen

 


 

das-waldtor-in-freiburg-waltershofen-thomas-rees-Dezember 2016

 

 

„Bevölkert die Erde, unterwerft sie euch und herrscht über Fische des Meeres, über die Vögel des Himmels und über alle Tiere, die sich auf dem Land regen

so charakterisiert das Buch Genesis das Verhältnis von Mensch und Natur.

 

 

Die Stützpfeiler des Tores werden von zwei Gestaltete gebildet, die einen gewundenen Baumstamm geschultert haben. Sie stehen symbolisch für das Schaffen des Menschen, für sein Streben die Natur urbar zu machen, sie sich als Ressource zu erschließen.

Dieses Streben ist ein Grundmoment der menschlichen Existenz, ist aufs Engste verwoben mit der Geschichte der Menschheit.

Unterwerfen und herrschen – diese beiden Begriffe lassen eine ungleiche Beziehung vermuten, die von einer klaren Hierarchie geprägt wird. Und tatsächlich lässt sich beobachten, dass der Mensch sich über die Natur erhebt, sie nach seinen Vorstellungen formen möchte und ohne Rücksicht von ihr nimmt, was er braucht. Die Folgen dieses Handelns sind eine immer weitere Zurückdrängen und Zerstörung der Natur – Verschmutzung der Umwelt, das Aussterben von Tier- und Pflanzenarten, Klimaveränderung…angesichts dieses Befundes ist die Erkenntnis, dass der Mensch die Natur vor ihm selbst schützen muss, nicht von der Hand zu weisen.

Dieser Gedanken findet sich auch im Waldtor wieder.

Auf dem gewundenen Baumstamm, der als Querbalken des Tores dient, ist ein Käfig zu entdecken, welcher auf eine Kugel gestellt ist.  Auf der Kugel steht eine Schale, aus der heraus ein kleiner Baum und andere Pflanzen wachsen. Die Kugel steht symbolisch für unseren Planeten, die bewachsene Schale für die Natur.

Der sie umgebende Käfig wirkt auf den ersten Blick als Begrenzung als ein Einsperren. Zu dieser negativen Assoziation lässt sich allerdings noch eine zweite Bedeutungsebene hinzufügen, welche den Käfig positiv konnotiert: der Käfig schützt die sich in ihm befindende Schale, macht den Innenraum zu einem sicheren Rückzugsort, in welchem die Natur sich erholen, ungestört wachsen und sich entfalten kann.

Die Aufgabe, die dem Menschen in diesem Prozess zukommt, ist es, die Natur zu schützen, ihr Raum zu geben, sie zu bewahren, zu hegen und zu pflegen.

Genau dies meint auch der eingangs zitierte Text aus dem Buch Genesis. Denn die Begriffe unterwerfen und herrschen meinen in diesem Kontext nicht, wie man zunächst annehmen könnte, eine ausbeuterische, einer Diktatur gleichende Form von Herrschaft. Vielmehr steht im Hintergrund das alttestamentarische Verständnis des guten und gerechten Königs, welcher Verantwortung für das ihm Anvertraute übernimmt und als Beschützer der Schwachen und Hilflosen agiert.

Genauso soll sich der Mensch gegenüber der Schöpfung verhalten.

Die Schöpfung ist nicht Eigentum des Menschen, er ist somit nicht Besitzer sondern eher Verwalter der ihm anvertrauten Welt. So ist der Mensch dazu gerufen, so zu handeln, dass die ihn umgebende Umwelt erhalten bleibt und Lebensraum für alle Geschöpfe sein kann – jetzt und auch für die nachfolgenden Generationen.

Die Verantwortung, die eine solche Aufgabe mit sich bringt, wird im Waldtor durch die beiden menschlichen Figuren, die die Stützpfeiler des Tores bilden. Sie tragen die Last der Verantwortung, trotz aller Nutzbarmachung der Natur ebendiese zu schützen und zu bewahren.

Diese Verantwortung ist keine abstrakte Größe, sondern kann und muss konkret im Alltag und vor Ort gelebt werden. Im Waldtor wird dies durch die Einbettung der lokalen Besonderheiten in den größeren Zusammenhang gebracht: der Eisenbahnzug auf dem Querbalken, welcher an die Erweiterung des Rheintalbahn erinnert, welche mit der Erbauung zwei zusätzlicher Gleise einherging und dies einen enormen Eingriff in die Natur forderte.

Die Ausgleichsmaßnahme für diesen Bau war die Entwicklung einer Naturwaldzelle, welche einen geschützten Lebensraum für Pflanzen und Tiere bildet. Ein Hinweis darauf sind der Specht an der Weltkugel und die am Querbalken versteckte Fledermaus, beides sind bedrohte Tierarten, die hier ihren Lebensraum haben..

Am Anfang des gewundenen Querstammes sitzt eine Hexe, die mit der Eisenbahn spielt.

– Sie verkörpert das Märchenhafte, Zauberhafte und auch Geheimnisvolle der Wälder, der Natur, „unserer“ Welt.

S/T Rees  im Juli 2017

 

 

 

 


Es ist der Natur um uns schlechthin unmöglich, zu leben und zu überleben, wenn wir sie so traktieren und so wenig alleine ihr Werk tun lassen.

Meister Eckhart (1260-1328), deutscher Dominikaner, Mystiker


 

 


das Waldtor in Freiburg-Waltershofen, im Dezember 2016, thomas rees
das Waldtor in Freiburg-Waltershofen, im Dezember 2016, thomas rees

Durchgangshöhe ca. 3,5 Meter, Durchgangsbreite ca. 4 Meter, Material: Robinie/Eiche,

Gesamtbreite ca. 7 Meter, Skulpturenhöhe ca. 4,50 Meter


 

 

      Fur Elise (by Beethoven) - Beethoven

Ausgangslage

Basierend auf der öffentlichen Drucksache G-15/018 wurden seitens der Stadt Freiburg auf verschiedenen Gemarkungen diverse Kohärenzmaßnahmen* vorgeschlagen.

*Kohärenz bedeutet „Zusammenhang“ –  der Verzicht auf die Waldbewirtschaftung. 

Eine der Ausgleichsmaßnahmen für das 3. und 4. Gleis der Rheintalbahn war die Entwicklung einer Naturwaldzelle auf der Gemarkung von Waltershofen. Betroffen war hier ein Waldstück mit einer Fläche von ca. 10ha. Das Ziel ist die langfristige Sicherung und günstige Beeinflussung der Kernlebensräume für die hier festgestellte Bechsteinfledermaus. Die Aufgabe der forstlichen Nutzung fördert ferner die Artenvielfalt und den Lebensraum für weitere Tier- und Pflanzenarten, die auf Totholz angewiesen sind, unter  anderem Mittelspecht, Hirschkäfer, Insekten, Pilze, Moose.

Kontroverse Diskussion im Ortschaftsrat

Die Stilllegung war im Ortschaftsrat heftig umstritten. In §10 der  Eingliederungsvereinbarung vom 11. 04. 1972 verpflichtete sich damals die Stadt, dass  dieser Bereich zur forstwirtschaftlichen Nutzung erhalten bleibt.

Nach vielen Recherchen, rechtlichen Prüfungen sowie Diskussionen stimmte dann der Ortschaftsrat in der öffentlichen Sitzung am 14. 04. 2015 der o. g. Drucksache zu.

Erneute Beschlussvorlage 

Hierin wurde unter anderem die Verwendung der Gelder aus den Ausgleichs- Zahlungen der Bahn geregelt. Für Waltershofen bedeutete dies die Umsetzung konkreter Projekte zur Erholungsinfrastruktur. Einerseits wird ein Ortschafts- übergreifender  Waldthemenpfad (Opfingen/Waltershofen) realisiert. Dieser verläuft auch am Waltershofener Holzversteigerungsplatz vorbei.plan-or

Dort regte der Ortschaftsrat das Aufstellen eines „symbolischen Eingangstors“ des Künstlers Thomas Rees an.

 

Ein wichtiger Aspekt war hier auch die langfristige Sicherung des Holzversteigerungsplatzes, der sich im Bereich der stillgelegten Waldfläche = Naturzelle befindet.

Letztlich werden an diesem Standort die Tradition der Holzversteigerung sowie die Nutzung des Festplatzes für den Löschzug Abt.11 der Freiwilligen Feuerwehr FR- Waltershofen dauerhaft gewährleistet.


Skizze Waldtor
erste Gedanken, April 2016, thomas rees


das-waldtor-in-freiburg-waltershofen-thomas-rees-Dezember 2016
das-waldtor-in-freiburg-waltershofen-thomas-rees-Dezember 2016

 

 

die Entstehung im Oktober/ November 2016


 


in einer Nacht im Dezember

 

 

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Das Material, Robinienstämme im Freiburger Mooswald, April 2016

 


das erste Fest am Waldtor

Waltershofener Holzversteigerung am 28. Januar mit Waldfest

 

 

 

Bilder vom Fest:

 


 

 

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